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5. November 2022  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Die Zukunft im Trockenbau, Beton- und Stahlbau – Einsatz von digitaler Technik und kommende Trends

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | #Trockenbau  #Betonbau  #Stahlbau  #Arbeitsschutz  #DIN 

Baustellen im Trocken-, Beton und Stahlbau gehören zu den Bereichen, in denen mit groben Baustoffen handwerklich gearbeitet wird. Die Digitalisierung hält jedoch auch in dieser Branche Einzug. Diese hilft unter anderem bei der Bewältigung der immer umfangreicher werdenden Vorgaben und Regulierungen. Die Einführung der europäischen DIN EN-Normen verändert altbekannte Regelungen, was eine der zentralen Herausforderungen für Unternehmen aus dieser Branche ist.

Welche DIN sind im Trockenbau relevant?

Baustelle

Im Trockenbau gibt es eine Reihe von Normen, die wichtige Vorgaben für die praktische Umsetzung von Bauprojekten festlegen. Im Zuge der Standardisierung innerhalb der EU kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Veränderungen im Bereich der DIN-Normen. Aus vielen Normen, die lange Zeit Gültigkeit besaßen, wurden neue DIN EN-Normen. Hierbei erfolgte oftmals eine Anpassung der bekannten DIN-Normen an die EU-Richtlinien. Gleichzeitig kommt es im Zuge der Anpassung immer wieder vor, dass alte DIN-Normen in Teilen ihre Gültigkeit behalten und durch die neue DIN EN ergänzt werden. Das macht es für Unternehmen aus dem Trockenbau aktuell nicht einfacher, den Überblick zu behalten.

Ein Beispiel für diese Situation ist die DIN 4102. Diese definiert die Brandschutzklassen von Baustoffen. Gleiches tut die neue DIN EN 13501. Es erfolgte eine Umbenennung der Klassen und neue Kriterien wurden eingeführt. So ist die alte Klasse B 3 nun als europäische Klasse F eingeführt, während sich B 2 in die Klassen D und E mit jeweils einigen zusätzlichen Definitionen unterteilt. Jedoch sind vorerst beide Normen weiterhin gültig.

Bauarbeiten im Haus

Anhand der Änderungshistorie der Normen zeigt sich außerdem, wie viel Bewegung in diesem Sektor vorhanden ist. Die DIN EN 14195 wurde im August 2020 aktualisiert. Diese europäische Norm beinhaltet Anforderungen und Prüfverfahren für Metall-Unterkonstruktionsbauteile bei Gipsplatten-Systemen. Sie ergänzt die nationale DIN 18182-1. Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen sind in der ATV DIN 18340 geregelt.

Für Unternehmen aus dem Trockenbau ist es deshalb wichtig, sich regelmäßig über die aktuellen Versionen der geltenden Normen zu informieren und dabei sowohl die bekannten DIN als auch die europäischen DIN EN zu berücksichtigen.

Arbeitsschutz beim Umgang mit Beton

Beton und Zement sind Stoffe, bei denen besondere Vorsicht beim Umgang gefragt ist. Dies gilt sowohl für Arbeiten am fertigen Betonwerkstoff als auch bei der Verarbeitung von Zement oder Beton. Zum einen liegt dies daran, dass Zement alkalisch und ätzend ist. Zum anderen entsteht beim Schleifen, Fräsen oder Bohren von Beton schnell Staub, der ohne entsprechenden Schutz in die Lungen gelangt.

Deshalb haben Atemschutzmasken beim Umgang mit Betonstaub oberste Priorität beim Arbeitsschutz. Die Vorschriften erfordern mindestens eine partikelfiltrierende Halbmaske der Klasse FFP-2. Besser sind Vollmasken, denn diese schützen auch die Augen. Ist bei Renovierungsarbeiten Asbest vorhanden, dann muss eine Maske der Klasse FFP-3 vorhanden sein. Beim Umgang mit Beton sind außerdem Handschuhe notwendig, da sonst die Haut angegriffen wird. Geeignet sind beispielsweise Handschuhe nach der europäischen Norm EN 374, die in der Regel eine Nitrilbeschichtung besitzen.

Bauarbeiter reißt Wand ab

Die Kombination aus Holz und Beton – Trend im Hochbau

Beton und Stahl stehen seit einigen Jahren aufgrund ihrer negativen Klimabilanz in der Kritik. Gleichzeitig geht der Trend hin zu umweltfreundlichen und nachwachsenden Materialien wie Holz. Während Einfamilienhäuser und sonstige Kleinbauten bereits seit ewiger Zeit aus Holz gebaut werden, sieht die Situation bei mehrgeschossigen Bauten anders aus.

In den vergangenen Jahren ist jedoch Bewegung in diesen Sektor gekommen. Inzwischen sind die ersten Holzgebäude mit mehreren Geschossen fertiggestellt. Im September 2021 begannen beispielsweise in Hamburg die Bauarbeiten zu einem Holzhaus mit 19 Stockwerken. Rund 65 Meter wird das Hochhaus in der Hamburger Hafencity hoch sein.

Es handelt sich dabei um einen Holz-Beton-Bau. Die unteren Stockwerke und Teile der tragenden Konstruktion sind weiterhin aus Stahl und Beton gefertigt. Die oberen Bereiche sowie die restlichen Wände sind aus Holz. Insgesamt wird beim Hamburger Projekt mit rund 5.500 Kubikmetern Holz geplant. Bereits bei diesem Pilotprojekt, bei dem etwa fünf Prozent der Kosten auf die Forschung und Entwicklung entfielen, kann fast auf einem Niveau mit herkömmlichen Stahlbetonbauten kalkuliert werden. Für das komplette Projekt sind etwa 140 Millionen Euro eingeplant. Damit würden die Kosten etwa zwölf Prozent über einem vergleichbaren Betonbau liegen.

Bauarbeiten auf Baustelle

In Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach solchen Bauten steigt. Käufer von Eigentumswohnungen achten auf die Nachhaltigkeit und sind somit bereit, beim Kauf etwaige Mehrkosten aufzufangen. Hinzu kommen die positiven Auswirkungen des Baustoffs Holz auf das Wohnklima. Dazu gehört beispielsweise die Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Aus diesen Gründen lohnt es sich für Hochbauunternehmen, sich mit dieser Sparte zu beschäftigen, die sich rapide entwickelt. Unternehmen mit einem Wissensvorsprung sind für die Zukunft gut aufgestellt und haben dementsprechend Wettbewerbsvorteile, wenn es um die Vergabe von lukrativen Aufträgen geht.

Bauweisen der unterschiedlichen Stahlbetondecken

Stahlbetondecken sind in Deutschland die meistgenutzte Deckenart. Im Hochbau haben sich Fertigteildecken durchgesetzt, da dies deutlich schnellere Baufortschritte ermöglicht. Selbst die Sanierung im Altbau ist mit Fertigteilen möglich, wenn mit Hohlsteindecken gearbeitet wird.

Inzwischen spielt beim Beton- und Stahlbau ein verantwortungsvoller Umgang mit Rohstoffen eine zentrale Rolle. Zum einen ist aufgrund von steigenden Material- und Energiekosten der sparsame Umgang mit Rohstoffen aus betriebswirtschaftlicher Sicht enorm wichtig. Zum anderen ist die Reduzierung von Baumaterial ein Baustein auf dem Weg zur klimaneutralen Zementindustrie, die von der Deutschen Zementindustrie (VDZ) Ende 2020 als Ziel erklärt wurde.

Eine Lösung sind hier Hohlplatten-Deckensysteme aus Fertigbauteilen. Durch die Hohlräume sparen diese Varianten einen beachtlichen Teil der Rohstoffe ein. Ein weiterer Vorteil dieser Lösungen ist das geringere Gewicht, was sich positiv auf die Statik eines Gebäudes auswirkt. Aus diesem Grund sind Hohlsteindecken auch bei Sanierungsobjekten eine Option.

Gefährdungsbeurteilung auf Baustellen und die Erleichterung durch die BG Bau-App

Die Gefährdungsbeurteilung in sieben Schritten ist fester Bestandteil der Arbeitsschutzmaßnahmen auf jeder Baustelle. Verantwortlich dafür ist der Unternehmer als Bauträger. Dies schließt alle Mitarbeitenden mit ein. Die Gefährdungsbeurteilung ist gesetzlich vorgeschrieben und muss zusätzlich dokumentiert sein.

Trockenbau

Seit dem Frühjahr 2021 gibt es eine deutliche Erleichterung bei der Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft hat eine App veröffentlicht, die durch den Prozess der Beurteilung führt. Zugang zur App haben alle Mitgliedsunternehmen der BG Bau. Die App trägt die Bezeichnung „DigitGB der BG BAU“. Die DigitGB der BG BAU lässt sich auf Tablets, dem Smartphone oder auch an einem regulären PC nutzen. Die BG BAU fügt stufenweise Gewerke hinzu, die diese App nutzen können. Den Anfang machten im April 2021 Dachdecker, Gerüstbauer, Schornsteinfeger und Zimmerer.

Alle sieben Punkte der Gefährdungsbeurteilung lassen sich über die App abarbeiten. Zusätzlich hat jeder Betrieb die Möglichkeit, individuelle Gefährdungsfaktoren auszuwählen, die für den eigenen Arbeitsbereich relevant sind. Auf diese Weise ist außerdem gewährleistet, dass alle Faktoren berücksichtigt werden und die Beurteilung vollständig ist. Somit trägt die App nicht nur zur Erleichterung des Alltags bei, sie verbessert auch den Arbeitsschutz.

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