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29. Juli 2020  (aktualisiert am 18. Juli 2025)

Energetisch sanieren

von  textbroker | 8 Min. Lesezeit | #sanieren  #sanierung  #klimaziele 2050  #klimaziele  #energetisch sanieren 

Die von der Bundesregierung festgelegten Klimaziele bis 2050 schaffen enormen Sanierungsbedarf – in ganz Deutschland.

Fast 40 Prozent des gesamten Energiebedarfs gehen in Deutschland auf das Konto von Gebäuden. Das Klimapaket, welches die Bundesregierung im Jahr 2019 verabschiedete, sorgt dafür, dass Altbauten in einem Umfang saniert werden müssen, den es bisher noch nie gab.

Energetischer Sanierungsbedarf in Deutschland ab 2020

Das Jahr 2020 markiert den Startpunkt für eine ungewöhnlich große Sanierungswelle bei Gebäuden in Deutschland. Die Bundesregierung will erreichen, dass bis 2050 alle Gebäude treibhausgasneutral sind. Sicher ist, dass die bisherige Sanierungsquote von einem Prozent des Gebäudebestands nicht ausreichen wird. Die Anzahl der Sanierungen von Altbauten muss sich mindestens verdoppeln, um in der vorgesehenen Zeit weitgehend klimaneutrale Bauwerke in Deutschland zu schaffen. Verschiedene Förderungsmaßnahmen in bisher beispiellosem Umfang unterstützen die Eigentümer dabei auf unterschiedlichen Wegen.

Energetische Sanierungsmaßnahmen

Experten halten das Ziel, Gebäude bis 2050 klimaneutral zu nutzen und zu beheizen, mit den derzeit vorgeschlagenen und geförderten Sanierungsmaßnahmen nicht für erreichbar. Sie begründen dies unter anderem mit den offiziell geförderten Energieeffizienzstandards, die sie sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen für unzureichend halten. Um Klimaneutralität überhaupt in greifbare Nähe zu rücken und langfristige Perspektiven zu garantieren, empfehlen die Kritiker des Klimapaketes nur die höheren Standards aus dem Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Demnach seien die Maßnahmen, die das Förderprogramm „KfW-Effizienzhaus 55“ für Sanierungen umfasst, als Mindestanforderungen zu betrachten.

Wärmeschutz und Wärmedämmmaßnahmen

85 Prozent des Energiebedarfs von Wohnhäusern entfallen auf die Heizung und die Brauchwassererwärmung. Zentraler Punkt jeder energetischen Sanierung ist daher immer noch die Heiz- und Dämmtechnik von Gebäuden. Da es zwecklos ist, die Heizung zu erneuern, bevor ein Gebäude eine zeitgemäße Wärmedämmung erhalten hat, beginnt die Sanierung gewöhnlich bei der Dämmung.

Fensterelement
  • Außenwanddämmung: Die kostengünstige Ausbildung als Kompaktfassade hat nach wie vor eine marktbeherrschende Stellung. Verschalungen auf der Außenseite und innenliegende Dämmungen kommen hauptsächlich dann zum Einsatz, wenn ein Wärmedämmverbundsystem aus technischen oder gestalterischen Gründen nicht in Frage kommt.
  • Dachdämmung: Die Wärmedämmung der äußeren Gebäudehülle muss zwingend das Dach einschließen. Neue Systeme für außenliegende Dämmungen erlauben Dachdämmungen, wo die Anbringung bisher nicht möglich war – zum Beispiel bei ausgebauten Dachgeschossen.
  • Fenster und Außentüren: Eine effiziente Wärmedämmung an Gebäuden setzt voraus, dass auch Fenster und Türen keine unnötigen Wärmeverluste verursachen. Sie sind deshalb integraler Bestandteil jeder öffentlich geförderten energetischen Sanierung.
  • Kellerdämmung: Viele Altbauten haben noch unzureichend gedämmte Kellergeschosse. Ist eine Wärmedämmung der Bodenplatte und der Kelleraußenwände nicht oder nur mit unvertretbar hohem Aufwand realisierbar, empfiehlt sich in den meisten Fällen eine Dämmung der Kellerdecke.

Dämmstoffe

Konventionelle Dämmstoffe wie Polystyrol-Hartschaumplatten und Mineralfaserfüllungen für Wände und Decken haben noch immer entscheidende Vorteile: Sie sind vergleichsweise günstig, haben sich seit Jahrzehnten bewährt und erreichen alle geforderten Dämm- und Brandschutzanforderungen. Doch ökologisch sinnvolle Wärmedämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen erfahren aktuell eine stark gestiegene Nachfrage. Die Hersteller antworten mit zahlreichen Innovationen, die von Produkten aus Holzfasern bis hin zu Hanf und Schilf reichen.

Förderungsfähige Heizungsanlagen

Nicht alle Öl- und Gasheizungen müssen sofort ausgetauscht werden. Förderungsfähig sind in Zukunft nur noch folgende Heizungsarten:

  • Anschluss an ein Fernwärmenetz
  • Solarthermie
  • Biomasseanlagen
  • Wärmepumpen
  • Gasbrennwerttechnik „Renewable Ready“ (auf Hybridbetrieb umrüstbar)
  • Hybridanlagen als Kombination aus Gas-Brennwerttechnik und erneuerbaren Brennstoffen
  • Brennstoffzellen

Zur Hybridanlage mit wasserführendem Kaminofen

Eine für die Hausbewohner besonders attraktive Möglichkeit, zu einer umweltfreundlichen Hybridheizung zu kommen, ist der Anschluss eines Kaminofens an die Heizungsanlage. Normalerweise geht die Abwärme des gemütlichen Holzfeuers einfach verloren, weil sie dort, wo sie entsteht, gar nicht im gleichen Maß genutzt wird. Wasserführende Kaminöfen haben einen eingebauten Wärmetauscher. Der liefert warmes Wasser an einen Pufferspeicher, der der Heizungsanlage zur Verfügung steht. So geht kaum Wärme vom Kaminfeuer verloren und die Temperaturen im Wohnraum bleiben auch am prasselnden Feuer immer moderat. Wirtschaftlich besonders interessant sind Kaminöfen bei Altbausanierungen in Gebäuden, die eine Ofenheizung hatten, sodass der Platz für neue Schornsteinzüge bereits vorhanden ist. KfW- Fördermittel erhalten Bauherren für wasserführende Kaminöfen, sobald es sich um Pelletöfen handelt.

Fußbodenheizung zur Effizienzsteigerung

Fußbodenheizungen sparen ohne jeden Zweifel sehr viel Heizenergie und damit auch Kosten. Ihr Einbau im Rahmen einer Sanierung scheitert jedoch häufig an zwei Hindernissen: Entweder ist die Heizung nicht in der Lage, eine Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur zu bedienen, oder die Aufbauhöhe des neuen Fußbodens lässt sich nicht sinnvoll in die vorhandenen Räume integrieren. Für beide Probleme gibt es Lösungen, die es erlauben, auch einzelne Räume mit einer Fußbodenheizung auszustatten, selbst wenn andere Räume weiterhin durch Heizkörper erwärmt werden. Heizschleifen, die eine Vorlauftemperatur von etwa 60 °C vertragen, sind technisch nicht unumstritten, aber erhältlich. Besonders wichtig für die Altbausanierung sind Heizschleifen, die als Renovierungssysteme konzipiert sind. Diese Verbundkonstruktionen sind Leichtgewichte, die mit einer Aufbauhöhe von gerade einmal 20 Millimetern fast überall Platz finden.

Falls auch dies noch zu viel ist, bieten sich elektrische Fußbodenheizungen an, die noch weniger Platz benötigen. In der Regel gelten elektrische Fußbodenheizungen als ineffizient, weil sie sehr viel Strom umsetzen. Das ändert sich allerdings, wenn eine hauseigene Photovoltaikanlage den Strom generiert. Je nach den örtlichen Gegebenheiten, wird sich eventuell nicht genügend Strom für die Beheizung des gesamten Hauses gewinnen lassen. Für ein Badezimmer, welches auf diese Weise platzsparend und komfortabel geheizt werden kann, wird der Solarstrom aber fast immer ausreichen.

Moderne Heizungsanlage neben Treppe

Infrarot Heizsysteme

Relativ neu auf dem Markt sind sogenannte Infrarot Heizsysteme, auch als Wärmefarbe bekannt. Darin enthalten sind Kohlenstoffe, wodurch diese Wandfarbe elektrisch leitfähig wird. Die schwarze Farbe wird einfach auf die Wand aufgetragen, verkabelt, womöglich direkt mit einer Solaranlage und kann anschließend mit einer Dekorfarbe überstrichen werden, auch mehrfach. Sobald elektrischer Strom die Wandfarbe erreicht, erhitzt sich diese auf bis zu 40 Grad Celsius. Diese Infrarotheizung lässt sich überall nachträglich installieren, ohne dass großartige Umbaumaßnahmen notwendig sind. Genau deshalb ist die Wärmefarbe ideal für die Altbausanierung und die Modernisierung von Bestandswohnungen. Darüber hinaus bietet die Infrarot-Wandheizung eine hohe Effizienz, was direkt an der Energiekostenabrechnung ablesen lässt.

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung

Belüftungsanlagen werden im Zusammenhang mit energetischen Sanierungen immer wichtiger. Sobald Eigentümer mehr als ein Drittel der Fenster eines Hauses austauschen, ist gemäß Energieeinsparverordnung ein Lüftungskonzept erforderlich. Die eventuell nötige Zusatzbelüftung lässt sich entweder Raum für Raum über dezentrale Ventilatoren oder über zentrale Lüftungsanlagen realisieren. Zentrale Lüftungen sind aufwendiger zu installieren, haben aber wichtige Vorteile: In den Räumen findet keine Geräuschentwicklung statt und die Lüftung lässt sich mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausrüsten. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Luft, die durch die zentrale Lüftungsanlage zirkuliert, mit maximaler Energieeffizienz vorzuwärmen oder zu kühlen. Dazu wird die einströmende Luft einfach durch einen Erdwärmetauscher geführt. Im Winter wird die angesaugte Luft durch die konstante Bodentemperatur erwärmt und im Sommer gekühlt. Eine solche Lüftungsanlage sorgt neben der Energie- und Kostenersparnis auch für maximalen Wohnkomfort.

Baustoffe für die energetische Sanierung

Bislang war es in der Gebäudesanierung üblich, die Baustoffe oder möglichst ähnliche Substanzen und Materialien zu verwenden, die auch beim Originalgebäude zum Einsatz gekommen sind. Diese einst eiserne Regel ist nur noch eingeschränkt gültig. Vermehrt werden moderne Baustoffe verwendet, insbesondere solche, die durch die Beigabe von nachwachsenden Rohstoffen einen messbar besseren Dämmert besitzen.

Vor allem Hanfbeton und Mauersteine aus Hanf machen von sich reden. Aber auch sogenannter Naturfaserbeton wird eingesetzt. In der Weiterentwicklung sind bereits Naturfasern wie Hanf, Kork, Stroh, Kokosfasern oder Schafwolle in Mauersteinen, im Außenputz oder im Estrich zu finden.

Am Institut für Hochbau und Technologie wird an der Fakultät für Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Wien Beton sogar durch pflanzliche Fasern belastbarer. Werden einem regulären Beton Naturfasern in geringem Prozentsatz beigemischt, insbesondere Hanf, erhöht sich dessen Duktilität. Soll heißen, der Beton verformt sich unter Belastung weniger, ist weniger empfindlich gegenüber Zugkräften und bildet seltener Risse aus. Einziges Problem ist, dass die Naturfasern mit der Zeit im Beton verrotten können, wodurch sich die Vorteile quasi in Luft auflösen. Deshalb wird fieberhaft an der langfristigen Konservierung der Naturfasern im Beton gearbeitet, um diesen Nachteil auszugleichen.

Dennoch ist es gerade bei der Sanierung von Bestandsgebäuden mitunter opportun, für Reparaturen oder als Putz oder Estrich mit Hanf oder einer anderen Naturfaser angereicherten Beton zu verwenden, denn diese Maßnahme erhöht die energetische Effizienz des Gebäudes.

Vorsicht bei Verwendung von Verbundbaustoffen

Es gibt zahlreiche moderne Baustoffe, die sich aus mehr als einem Grundmaterial zusammensetzen. Harmlos ist dies, wenn beispielsweise Hanf und Beton zu Hanfbeton vereinigt werden. Werden allerdings Kunststoffe und Mineralwolle zu einem Kompositmaterial vereinigt, ist dieses nur noch als Sondermüll zu entsorgen.

Die Bundesregierung hat aber mit dem QNB, dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Bauen eine Qualitätssicherung geschaffen, die für die Gewährung von Zuschüssen aller Art unverzichtbar geworden ist. Im Rahmen der Erteilung dieses staatlichen Siegels für ein Projekt wird auch geprüft, wie leicht sich ein Haus nach Ablauf seiner Lebenserwartung recyceln lässt. Bei diesem Kriterium liegen Holzhäuser weit vorn, während Bauten aus schwer oder nicht recycelbaren Verbundstoffen die Forderungen des QNB nicht erfüllen.

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