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7. November 2021  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Europäischer Holzhandel fordert Einhaltung von Verträgen

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | #Holzlieferverträge  #Holzhandelsverordnung  #ETTF  #EUTR  #Holzhandel 

So titelten verschiedene Zeitungen und Fachzeitschriften. Anschließend folgt ein Artikel über eine Sitzung der European Timber Trade Federation (ETTF), auf der mit deutlichen Worten die Einhaltung von Holzlieferverträgen gefordert wurde. Was hinter dieser Forderung verborgen ist, wird selten oder nur am Rande erwähnt.

Holzhandelsverordnung wird unterschiedlich ausgelegt

Die Holzhandelsverordnung von 2010, offiziell European Union Timber Regulation (EUTR) genannt, gibt den Behörden der Mitgliedsländer seit Inkrafttreten 2013 die Möglichkeit, den Holzhandel zu kontrollieren. Dazu gehört auch, dass illegal in den Handel gebrachtes Holz aus dem Verkehr gezogen werden kann. Mehr noch, denn die Mitgliedsländer der EU können illegale Abholzungen verhindern und Holzbestände oder Forstgebiete zertifizieren.

Problem ist, dass diese EU-Verordnung Nr. 995/2010 alle Teilnehmer am Holzmarkt in die Pflicht nimmt, was sich aber nur arbeitsintensiv umsetzen lässt. Der EUTR folgend, soll Holz bis zum Herkunftsort zurückzuverfolgen sein. Wer wann welches Holz gefällt, gekauft, transportiert und weiterverkauft hat, soll lückenlos nachgewiesen werden. Dieser erhöhte Aufwand hat dazu geführt, dass die EUTR in einigen Ländern anders ausgelegt, absichtlich missverstanden oder schlicht nicht vollem Umfang umgesetzt wird.

Als Resultat können illegal in den Markt eingebrachte Holzbestände nicht ausgemacht werden. Holzhändler, Möbelimporteure, Einrichtungshäuser, Tischlereien, Sägewerke, Baumärkte und andere Teilnehmer am Holzhandel in den Empfängerländern können ihre Sorgfaltspflicht im Rahmen der Due Dilligence nicht erfüllen, weil die Herkunft des Holzes oft genug unbekannt ist.

Dabei funktionierte der Holzhandel vor 2010 weitgehend kontrolliert und legal. Es ist rund 25 Jahre her, dass private Zertifizierungen für Holz und Wälder etabliert wurden, darunter FSC, PEFC. Auf diese Weise konnte die Legalität einer Ware nachgewiesen werden, egal wo in der Holzlieferkette. Mit Inkrafttreten der EUTR fielen diese privaten Kontrollmechanismen weg. Da die EUTR länderspezifisch unterschiedlich ausgelegt oder missachtet wird, greifen die Kontrollmechanismen nicht, was den illegalen Holzhandel begünstigt.

Im Prinzip werden die Teilnehmer am internationalen Holzmarkt unterschiedlich behandelt, abhängig davon, woher das Holz kommt und in welchem Land die am Holzhandel beteiligten Firmen ansässig sind.

Holzhandel zeigt sich zunehmend instabil und unzuverlässig

Der Generalsekretär der ETTF und zugleich Geschäftsführer der Interessenvertretung GD Holz in Deutschland, Thomas Goebel, forderte deshalb zuverlässige Lieferanten in ganz Europa. Zudem müsse die Nachhaltigkeit der Beschaffung der Ware Holz und deren Vermarktungspolitik streng kontrolliert werden.

Hintergrund ist, dass durch die fehlenden Kontrollen und die Baustoffkrise Forstbesitzer und Exporteure von Holz aus dem Ausland die bestehende Situation zur ihrem Vorteil ausnutzen. Zwar wurden rechtsgültige Verträge unterschrieben, nur werden diese zunehmend oft nicht eingehalten. Hier spielt die extrem hohe Nachfrage beim Rohstoff Holz ein gewichtige Rolle.

Mitarbeiter prüft Holzlatten im Lager

In einzelnen Fällen waren die Holzlieferungen bereits auf dem Weg zum vertraglichen Empfänger, kamen dort aber nie an. In der Zwischenzeit hatte ein anderer Holzhändler einen höheren Preis geboten, weshalb die Holzlieferungen an einen anderen Entladeort umgeleitet wurden. In der Folge fallen fest geplante Produktionen aus, weil der Rohstoff Holz fehlt. Betroffen davon sind branchenübergreifend die Bauindustrie, die Anbieter von Fertighäusern, Saunen, Gartenhäusern und Carports, die Hersteller von Möbeln, die Produzenten von Baumaterial aus Holz, insbesondere Span- sowie OSB-Platten und kunststoffbeschichtete Möbelplatten, sowie die Spielzeugindustrie.

Materialmangel, hohe Preise, gesicherte Abnahme

Ebenso kommt es mittlerweile beinahe täglich vor, dass Lieferungen ausgesetzt werden. Hier zeigen sich teilweise die Auswirkungen des Brexit, denn allein im englischen Königreich fehlen derzeit rund 90.000 Lkw-Fahrer. Viel häufiger liegt der Grund aber bei reiner Geschäftemacherei.

Den Exporteuren und Forstbesitzern ist die aktuelle Lage am Holzmarkt wohlbekannt. Sie wissen, dass Holz ein begehrter Rohstoff ist und die Lager im Groß- und Einzelhandel leer sind. Sogar auf den Holzplätzen der großen Sägewerke herrscht gähnende Leere.

Holzlieferverträge werden in der Regel für eine lange Laufzeit und Monate vor dem Transport abgeschlossen. Seinerzeit waren die Preise moderat. Deshalb fordern die Erzeuger und Exporteure Nachverhandlungen beim Preis, um von der Situation zu profitieren. Manchmal werden erhöhte Kosten vorgeschoben. Inzwischen ist es aber alltäglich, dass höhere Preise ohne jegliche Begründung verlangt werden. Dabei wird darauf spekuliert, dass der Materialmangel die Abnehmer zwingt, auch teils unverschämt hohe Preise zu akzeptieren.

Außerdem haben die Abnehmerbetriebe zunehmend oft mit den Vertragspartnern zu kämpfen, weil die Qualität der Holzlieferung nicht mit der vertraglich vereinbarten übereinstimmt. Minderwertiges Holz wird angeliefert, welches sich beispielsweise in der Möbelindustrie nicht oder nur teilweise verwenden lässt. So hatte ein Hersteller von Design-Fichten-Möbeln drei Lkw-Ladungen Fichtenholz der Güte A bestellt. Also makelloses Stammholz. Geliefert wurde die bestellte Menge. Jedoch handelte es sich um Käferholz. Dieses war derart stark von den Gängen des Borkäfers durchsetzt, dass dieses Stammholz nur unter dem Verlust von rund 30 % des Volumens verwendbar war. Der Rest war allenfalls für die Herstellung von Brennholz, Pellets oder zu Spanplatten geeignet.

Illegaler Holzhandel: WWF Österreich reicht EU-Beschwerde ein

Der WWF in Deutschland hat gegen die Bundesregierung EU-Beschwerde eingelegt. Dies tat auch der WWF in Österreich, denn die österreichische Führung muss sich nun ebenso einem Verfahren vor der EU stellen. In Deutschland steht vor allem die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Kreuzfeuer der Umweltaktivisten. Diese bemängeln, dass die EUTR von der Regierung nicht umgesetzt wird. Selbst wenn Anzeigen und konkrete Beweise vorliegen, wird denen sehr selten, zumeist aber nicht nachgegangen. Der WWF spricht in seiner Beschwerde von einer regelrechten Holzmafia. Diese lässt vorzugsweise in Osteuropa ganze Wälder ohne Genehmigung kahlschlagen, um das Holz überwiegend nach Deutschland, Österreich, England und Frankreich zu verkaufen – illegal versteht sich.

Nadelbäume werden abgeholzt

War der illegale Holzhandel zuvor ein eher schwieriges Geschäft, hat sich das Blatt nun gewendet. Durch den eklatanten Mangel des Rohstoffes Holz sieht sich eine wachsende Zahl von Abnehmern regelrecht gezwungen, derart rechtswidrige Holzkäufe zu tätigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden. Zudem sind diese kriminellen Machenschaften mit einem kalkulierbar geringen Risiko behaftet, weil Länder wie Deutschland die EUTR nicht umsetzen und eine Strafverfolgung fast immer ausbleibt.

Nach Ansicht der Umweltschützer ist nun auch das selbstauferlegte Verbot der Nutzung von Tropenhölzern in öffentlichen Gebäuden und Bauwerken sinnlos geworden. Illegal sind nämlich nicht nur Holzlieferungen aus Osteuropa, sondern auch ganze Schiffsladungen, die aus Mittel- und Südamerika oder aus Afrika angelandet werden.

Bezeichnend ist, dass in der EU-Holzhandelsverordnung die Einfuhr von Hölzern aus illegaler Regenwaldrodung unter Strafe gestellt wurde. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die deutsche Bundesregierung in der letzten Sekunde bei der Festsetzung des Strafmaßes einen Rückzieher machte.

Die Änderung des deutschen Holzhandels-Sicherungsgesetztes besagt, dass nur diejenigen Fälle verfolgt werden, bei denen Vermögensvorteile großen Ausmaßes festgestellt werden und dann, wenn der illegale Handel mit Tropenholz kontinuierlich fortgesetzt wird. Zudem wurden Verstöße gegen das Gesetz lediglich als Ordnungswidrigkeit eingestuft, was die Holzmafia kaum abschrecken dürfte. Deren Einnahmen werden von Experten der Weltbank auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Schlussgedanken zur aktuellen Situation im Holzhandel

Die Europäische Union ist nach China und vor den USA der größte Abnehmer von illegal geschlagenem Holz. Dass diese unrühmliche Spitzenposition so schnell wie möglich zu räumen ist, steht außer Frage. Die konsequente Umsetzung der EUTR, verbunden mit ausgedehnten Einfuhrkontrollen, würde dem illegalen Holzimport nach Deutschland und in die EU schnell einen Riegel vorschieben. Zugleich könnte die illegale Rodung von Wäldern in Osteuropa unterbunden werden. Herrschen wieder Recht und Gesetz im Holzhandel, würde sich der Holzmarkt stabilisieren, was der schwer gebeutelten Industrie helfen würde.

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