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10. Juli 2024  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Regenwasser effektiv auffangen

von  Ulrich Wolf | 9 Min. Lesezeit | #Wasserknappheit  #Regenwassersammelanlagen  #ökologisch  #ökonomisch  #Trinkwasserverordnung 

Das Thema Wasserknappheit wird uns in Teilen Deutschlands nach Expertenmeinung in naher Zukunft stärker beschäftigen, als uns lieb sein kann. Dabei gibt es in unseren Breitengraden eigentlich genug Wasser, wenn man es nur effizient nutzt. Regenwassersammelanlagen sind dazu eine interessante Möglichkeit, allerdings sind sie nicht in jedem Falle ökonomisch und ökologisch wirklich sinnvoll.

Das Sammeln von Regenwasser für die Nutzung im heimischen Garten ist im Grunde uralt. In der Regel waren (und sind) es große Kunststoff- oder Blechtonnen, die am Ende des Fallrohrs das kostbare Nass auffangen, bis es an den trockenen Tagen zum Gießen verwendet wird. Regenwasser gilt aufgrund seiner Kalk- und Chlorfreiheit als „weich“, was der heimischen Flora und auch eventuell vorhandenen Gartenteichen zugutekommt. Der hygienische Zustand von gesammeltem Regenwasser ist hier völlig unproblematisch.

Regentonne aus Holz in die Wasser hineinplätschert
Nicht ganz einfach sieht es aus, wenn das Wasser aus einer kompletten Regenwassernutzungsanlage für den Haushalt verwendet werden soll. Zwar gibt es die technischen Möglichkeiten für die Nutzung, hier ist es laut Trinkwasserverordnung aber zwingend notwendig, dass das Regenwasser und das aus der normalen Leitung kommende Trinkwasser keinesfalls vermischt werden darf. Ist für das Regenwasser ein zusätzliches Leitungssystem installiert, so müssen diese Leitungen als nicht trinkwasserführend gekennzeichnet werden. Denn die Qualität von Regenwasser reicht bei Weitem nicht an die Qualität von Trinkwasser heran, insbesondere was die Keimbelastung angeht.

Dementsprechend ist die Nutzung von Regenwasser im Haushalt auf beschränkt auf die Toilettenspülung (immerhin zwischen 3 und 9 Litern pro Spülgang) und für das Wäschewaschen. Das Umweltbundesamt weist bei Letzterem allerdings darauf hin, dass durch den letzten (kalten) Spülgang die Keimfreiheit des Wassers nicht mehr gewährleistet ist, was bei vorbelasteten Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Die Einsparpotentiale einer Regenwassernutzungsanlage sind nicht zu verachten. Rechnet man Gartenbewässerung, Toilettenspülung und Wäschewaschen zusammen, ergeben sich für einen Vier-Personen-Haushalt runde 60 m3 Trinkwasser, die eingespart werden.

So wird das Regenwasser gesammelt

blaue Regentonne im Garten
Eine Regentonne mag für die Gartenbewässerung ausreichen, für eine Nutzung im Haushalt braucht es dagegen schon eine echte Regenwassernutzungsanlage. Die besteht in der Regel aus einem Kunststoff- oder Betontank (Zisterne), in den das Regenwasser vom Dach des Hauses über das Fallrohr eingeleitet wird.

Läuft ein Regenwassertank voll, wird das Wasser über den Überlauf in die Kanalisation geleitet oder einer Sickergrube zugeführt. Letzteres wird auch vom Umweltbundesamt empfohlen, da versickerndes Wasser den Grundwasserspiegel konstant hält. Allerdings ist nicht jeder Boden für die Versickerung gleichermaßen geeignet, so kann sich das Wasser in sehr tonhaltigen Böden aufstauen.

Um das Aufwirbeln der sich bereits abgesetzten Schmutzpartikel auf dem Tankboden zu verhindern, passiert das Einleiten über einen sogenannten beruhigten Einlauf. Dabei wird das Einleitungsrohr bis zum Boden des Tanks und dort in einen speziell geformten Zulauf geführt. Ein Fallrohrfilter sorgt dafür, dass der gröbste Schmutz vom Dach erst gar nicht in den Tank gelangt, vorausgesetzt, er wird in regelmäßigen Zeitabständen sorgfältig gereinigt oder er ist selbstreinigend. Diese Fallrohrfilter sind auf den Fallrohrdurchmesser und die Dachflächengröße abzustimmen.

Apropos Dachfläche: Nicht alle Dachmaterialien sind für das Ableiten des Regenwassers in einen Regensammler geeignet. Aus Zink- und Kupferscharen, aber auch aus Bitumenbahnen können sich problematische Bestandteile und Inhaltsstoffe lösen, die bei Mensch und Flora zu Beeinträchtigungen führen. Bei solchen Dacheindeckungen sollte man von einer Regenwassersammlung absehen.

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Die Nutzung entscheidet über die Art des Tanks

Die Frage, ob es ein Kunststoff- oder ein Betontank sein soll, ist letztlich eine Frage des Tankvolumens und den damit verbundenen Nutzungsmöglichkeiten. Bis etwa 5.000 l Fassungsvermögen sind Kunststofftanks (in der Regel aus Polyethylen) die preisgünstigere Variante und für die reine Gartenbewässerung auch völlig ausreichend. Soll das Regenwasser auch im Haushalt verwendet werden, muss das Tankvolumen größer sein, über den erwähnten 5.000 l bieten Betonfertigteile klare Kostenvorteile.

zwei Wassertanks in die Erde eingelassen
Auch beim Aufstellen des Speichers spricht einiges für Beton: Durch die hohe Druck- und Biegefestigkeit der Betontanks kann des Erdloch, in dem sie stehen, einfach wieder mit dem Aushub verfüllt werden. Das ist bei Kunststofftanks nicht möglich, da gröbere Steine die Außenhaut des Tanks beschädigen können. Hier muss der Aushub entsorgt und das Erdloch mit Sand verfüllt respektive mit viel Wasser eingeschlämmt werden.
Betontanks sind außerdem befahrbar, vorausgesetzt, der Monteur hat eine ausreichend dicke Überdeckung vorgesehen. Das ist deshalb interessant, weil dadurch der Tank nicht zwingend unter dem Rasen, sondern auch unter gepflasterten Terrassen oder Garageneinfahrten stehen kann.

So kommt das Wasser zum Verbraucher

Wichtiger Bestandteil jeder Nutzungsanlage ist auch das zugehörige Pumpensystem. In der Regel reicht eine sogenannte Tauchdruckpumpe. Die steht auf dem Boden des Tanks und bietet mit mindestens 2 bar genug Arbeitsdruck, um alle Verbraucher wie etwa Toilette oder Rasensprenger mit Wasser zu versorgen.

Die Pumpensteuerung wird im Haus montiert, sie versorgt die Pumpe dann mit Strom, wenn Wasser gefördert werden soll, etwa wenn im Haus die Toilettenspülung betätigt wird. Tauchdruckpumpen müssen selbstverständlich wasserdicht gekapselt sein, das macht sie teurer als andere Pumpenarten. Der große Vorteil einer Tauchdruckpumpe ist die Tatsache, dass sie relativ geräuschlos arbeitet, und das auch noch fernab des Hauses.

ein Wasserschlauch liegt in einem Graben in einem Garten
Die Alternative zur Tauchdruckpumpe heißt Hauswasserwerk: Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Pumpe (Jetpumpe), die im Keller des Hauses aufgestellt wird und über eine Leitung das benötigte Wasser aus dem Tank saugt. Teil des Hauswasserwerks ist ein integrierter Druckausgleichsbehälter, der als Pufferspeicher dient und verhindert, dass die Pumpe bei jedem Druck auf die Toilettenspültaste anspringt.
Allerdings ergibt sich bei dieser Art der Wasserversorgung das Problem, dass sich im zwischengelagerten Regenwasser Keime ausbreiten. Für die Toilette ist das kein Problem, vom Wäsche waschen sollte man dann aber Abstand nehmen. Ein Hauswasserwerk muss regelmäßig (etwa alle 2 Jahre) gewartet werden.

Nutzung einer Regenwassernutzungsanlage

Es gibt verschiedene Arten von Regenwassernutzungsanlagen: solche, die ausschließlich für die Gartenbewässerung gedacht sind, und solche, die sowohl für Garten- als auch für Haushaltsanwendungen verwendet werden können. Die für den Garten bewährten Systeme verfügen über eine Standardpumpe, einen Filter und Anschlüsse für Rasensprenger oder Gartenschläuche. Wenn das Regenwasser auch im Haushalt verwendet werden soll, muss es zuerst mehrstufig gefiltert werden. Anschließend wird das aufbereitete Wasser über ein separates Leitungssystem zu Entnahmestellen wie Waschmaschine oder Toilettenspülung geleitet. Oftmals wird die Regenwassernutzungsanlage in diesem Fall mit einem Hauswasserwerk und einer Nachspeiseeinheit kombiniert, die bei Bedarf auf Trinkwasserversorgung umschaltet.

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Der größte Vorteil der Nutzung einer Regenwassernutzungsanlage liegt in der Nachhaltigkeit, da der Trinkwasserverbrauch reduziert wird. Dies entlastet das Grundwasser und die Kanalisation erheblich. Zudem führt die Nutzung von aufbereitetem Regenwasser zu einer finanziellen Entlastung, da sowohl die Trinkwasser- als auch die Abwassergebühren gesenkt werden können. Je nach Größe der Zisterne oder des Tanks und Ihrem individuellen Wasserverbrauch, kann eine Regenwassernutzungsanlage sogar Ihren gesamten Bedarf an Brauchwasser decken.

ein großer grüner Wassertank steht hinter einem Haus
Beim Einbau einer Regenwassernutzungsanlage ist eine gründliche Planung entscheidend. Zunächst muss der Regenspeicher entsprechend der Dachfläche und dem Wasserbedarf dimensioniert werden. Die Lage des Speichers sollte so gewählt werden, dass ein optimaler Wasserfluss gewährleistet ist. Hochwertige Filter sind notwendig, um Verunreinigungen zu entfernen und die Anlage vor Schäden zu schützen. Die Installation der Pumpe und des Leitungssystems muss fachgerecht erfolgen, um eine zuverlässige Wasserverteilung zu gewährleisten. Zudem sollten örtliche Bauvorschriften und Anschlussbedingungen beachtet werden. Eine regelmäßige Wartung der Anlage stellt ihre langfristige Funktionalität sicher.

Komplettpakete sind die Lösung

Für an der Regenwassernutzung Interessierte sind Komplettpakete, wie sie viele Hersteller anbieten, die ideale Lösung. Je nach Bedarf können sogenannte Haus- oder Garten-Pakete geordert werden, bei denen vom Tank bis zur Pumpensteuerung alle Komponenten vormontiert und steckfertig zum Festpreis geliefert werden. Auch den nötigen Aushub übernehmen solche Firmen. Vom Aushub bis zur Inbetriebnahme dauert die Installation je nach Größe der Anlage zwischen einem und zwei Arbeitstagen.

Schneller und einfacher geht das alles natürlich bei einem Neubau oder bei einer kompletten Neugestaltung des Gartens oder Vorgartens, denn gerade die Baggerarbeiten und der Transport des Tanks hinterlassen natürlich deutliche Spuren. Auch ist die Installation eines zweiten Leitungssystems im Rohbau natürlich wesentlich einfacher.

Ein echtes Fundament brauchen die Tanks nicht, es reicht eine 10-15 cm dicke kapillarbrechende Schicht aus Sand oder Kies, die plan abgezogen wird. Wichtig ist eine gute Planung, das gilt vor allem für die gewünschten Entnahmestellen im Garten wie Versenkregner, Wassersteckdosen oder einfache Wasserhähne. Auch dafür haben alle Hersteller Lösungen im Programm. Nur das Wasser verbrauchen, das muss der Hausherr noch selbst.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

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