Hinweise zur fachgerechten Austrocknung
Eine schnelle, „aktive“ Austrocknung eines Gebäudes erzielt man durch Lüftung (Stoßoder Dauerlüftung) oder aber auch durch die Kombination von Aufheizen der Räume bei geschlossenen Fenstern (jedoch nicht mit Gasheizgeräten, da diese zusätzlich Wasserdampf in den Raum abgeben) und dann Lüftung mit „Durchzug“ bzw. „Stoßlüftung“ (Lüftung mindestens morgens, mittags, abends durchführen und/oder Ventilatoren benutzen). Alle dampfdichten Beläge sollten entfernt werden, da die Feuchtigkeit sonst lange im Boden verbleiben kann. Diese verringern die Verdunstungsleistung des Bauteils und verlängern die Trocknungszeit. Einrichtungs - gegenstände möglichst ausräumen bzw. Möbel von den Wänden abrücken. Raumheizung beschleunigt den Trocknungsvorgang. Durch die Temperaturerhöhung kann die Luft wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen; danach muss aber immer wieder stoßgelüftet werden. Mit Hilfe eines Hygrometers (Feuchtemessgerät) kann man kontrollieren, wie hoch die Raumluftfeuchte ist. Ab 70% rel. Luftfeuchte sollte gelüftet werden, um die Austrocknung möglichst schnell zu ermöglichen.
TIPP: Auf jeden Fall müssen die Räume in den nächsten Monaten täglich, wie oben beschrieben, „betreut“ werden.
Die häufigsten Fragen
Ist der Boden oberflächig abgetrocknet und der Estrich allem Anschein nach nicht geschädigt, muss trotzdem geprüft werden, ob und wie viel Wasser in die Trennschicht oder in die Dämm-schichten unter den Estrich gelangt ist. Dies ist am besten durch Probebohrungen, Feststellen des Schichtenaufbaus, Prüfung der Durchfeuchtung, z. B. mittels elektronischem Feuchtemessgerät oder besser durch Probenahme mittels Kernbohrgerät und anschließender Bestimmung des Feuchtegehalts durch Ofentrocknung möglich. Eine aussagekräftige Prüfung und Feuchtebestimmung kann durch einen Fachhandwerker durchgeführt werden.
Falls sich Wasser im Schichtenaufbau befindet, ist festzustellen, ob es sich um gesundheitsgefährdend verschmutztes Wasser (Schadstoffe, Öle, Fäkalien, etc.) handelt. Öl lässt sich allein durch den Geruch feststellen; bei Bakterien und Viren ist das nicht so einfach. Prüfungen dieser Art können von Laboren vor Ort durchgeführt werden. Ihr zuständiges Gesundheitsamt kann hier bestimmt Adressen vermitteln oder bereits Auskünfte erteilen, wenn eigene Messungen durchgeführt wurden. Liegt eine Belastung mit Keimen vor, muss aus gesundheitlichen Gründen der Estrich mit Dämmschichten erneuert werden.
Wie werden stark durchfeuchtete Calciumhydrat- oder Anhydritestriche saniert?
Estriche auf Gipsbasis sind in der Regel nur gegen kurz- und mittelfristige Wasserbelastungen unempfindlich, da sie ihre Festigkeit verlieren. Bei lang anstehenden Wassermengen werden zusätzlich wie auch bei Zementestrichen die Dämmung, Randdämmstreifen etc. durchfeuchtet. Kann die Dämmung nicht mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand getrocknet werden, muss der Estrich mitsamt der Dämmung ausgebaut und erneuert werden.
Gleiches gilt natürlich auch, wenn das Hochwasser schädigende oder gesundheitsschädliche Bestandteile enthalten hat, die in den Estrich oder in die Dämmung eingedrungen sind. Auch in diesen Fällen sollte die komplette Estrichkonstruktion vorsorglich entfernt werden.

Was passiert mit wassergeschädigten Zementestrichen in einer Verbundkonstruktion auf Dämmschichten bzw. auf einer Trennlage, zum Beispiel Folie?
Bei Verbundestrichen:
Verbundestriche sind kraftschlüssig mittels einer Haftbrücke mit der Rohbetondecke verbunden. Dieser Haftverbund wird bei einem richtig ausgeführten Verbundestrich auch durch Wasserzutritt nicht geschädigt. Hier ist eine langsame Trocknung durch Erwärmen der Raumluft und gute Lüftung ausreichend.

Der Estrich als solches ist wasserbeständig und wird in seiner Festigkeitsstruktur nicht beeinflusst. Dagegen führt das Wasser zur Durchfeuchtung der unter dem Estrich liegenden Wärme- und Trittschalldämmung. Je nach Dämmplattenmaterial kommt es dabei zu Schäden. Mineralische Dämmungen sind auszubauen, da diese in jedem Fall instabil werden (Festigkeits- und Dickenverlust).
Bei EPS- oder XPS-Dämmplatten unter dem schwimmenden Zementestrich kann eine Zwangstrocknung mittels Hohlraumtrocknungsgeräten erfolgen. Deshalb sind hier unter Hinzuziehen einer Bautrocknungsfirma die geeigneten künstlichen Trocknungsmaßnahmen einzuleiten. Welche Art am besten ist und ob eine Trocknung sinnvoll und möglich ist, liegt in der Verantwortung der Bautrocknungsfirma. Nach Abschluss der Trocknungsarbeiten muss die gesamte Konstruktion trocken sein, erst dann kann ein neuer Belag auf den Estrich aufgebracht werden.
Bei Zementestrichen auf Trennlage:
Zementestriche auf Trennlage können ebenfalls durch Hohlraumtrocknung zwangsgetrocknet werden. Dabei wird bis zur Rohbetondecke durchgebohrt, so dass auch das Wasser zwischen Folie und Rohbetondecke mittels Warmluft erfasst wird und austrocknet. Die Überprüfung der Trockenheit der Gesamtkonstruktion erfolgt durch elektrische Feuchtemessgeräte.

Was ist zu beachten bei Zementestrichkonstruktionen im Kellerbereich, die auf Abdichtungsbahnen verlegt sind?
Lösung bei Zementestrichen auf Trennlage:

Wie werden ölverseuchte Zementestriche oder Rohbetonflächen saniert?

Bei Heizöl können durch spezielle Reiniger (z. B. Faxol BF 100 u. a.), die das Öl abbauen, binden oder anderweitig entfernen, Verbesserungen erzielt werden.
Aus technischer Sicht ist insbesondere wegen der Haftung bei einer nachträglichen Beschichtung bzw. beim Aufbringen eines Oberbelages eine Reinigung der Estrichoberfläche erforderlich. Auch hierfür werden spezielle Reiniger angeboten, mit denen die Oberflächen behandelt und die Poren somit ölfrei werden.
Produkte für Estrich und Boden
Normal- und schnellabbindende Estrichmörtel
Das Aufbringen von Oberbelägen auf Zementestrichen, die durchfeuchtet waren sowie auf Zementestrichen, die neu eingebaut werden, machen in jedem Fall eine Messung der Belegreife mit einem CM-Gerät erforderlich. Diese Messung kann durch den Fachhandwerker vorgenommen werden.
Folgende Werte sind einzuhalten:
| Estrich EB 42 | Estrich 1-Tag | Estrich 4-Tage | |
|---|---|---|---|
| Bei Ausführung als Normalestrich max. Feuchte | ≤ 2,0 CM-% | ≤ 2,5 CM-% | ≤ 2,0 CM-% |
| Bei Ausführung als Heizestrich max. Feuchte | ≤ 1,8 CM-% | ≤ 2,3 CM-% | ≤ 1,8 CM-% |
Vorgehensweise
Verarbeitungsschritte nach vollständigem Ausbau der Estrichkonstruktion
Den geschädigten Estrich und Bodenbelag ausbauen und die durchnässte Dämmung entfernen. Nach Reinigung und Abtrocknung der Rohbodenfläche erfolgt der Neueinbau der Dämmung und des Estrichs

Unebenheiten in der Bodenfläche können nach dem Abtrocknen und der Grundierung mit Baumit Grund mit Nivello 50 ausgeglichen werden.
Überarbeitung verbleibender Estriche
Nach der Reinigung und Abtrocknung der Estrichfläche kann es durch mechanische Beschädigungen notwendig werden, die Oberfläche des Estrichs zu überarbeiten.
Für eine sichere Haftung auf Altuntergründen verwenden Sie SuperPrimer. Unebenheiten werden wieder mit Nivello 50 ausgeglichen. Bei dieser Ausgleichsmasse handelt es sich um eine gipsfreie, hydraulisch abbindende Nivelliermasse. Dies erhöht die Sicherheit auf feuchtegeschädigten Untergründen.
Ausbesserungsarbeiten
Sind kleinere Ausbesserungen im Fundament oder Sturzbereich zu machen, dann eignen sich multiMörtel MULTI 61 oder TrockenBeton TB 8 hervorragend dafür.
