Wie Styropor ist auch Styrodur ein Markenname für bestimmte Arten des Kunststoffs Polystyrol, der ursprünglich vom Chemieriesen BASF entwickelt wurde. Heute ist es unter verschiedenen Markennamen, beispielsweise als Jackodur, Styrofoam oder Thermofoam hauptsächlich als Plattenware in verschiedenen Dimensionen im Handel erhältlich. Aufgrund der Lufteinschlüsse in diesen Platten sind beide Varianten hervorragende Dämmstoffe. Der Unterschied zwischen Styropor und Styrodur liegt in der Art der Herstellung und den damit einhergehenden Eigenschaften, weshalb sie im Bauwesen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen.
Abhängig von der Herstellungsart kommt am Ende des Prozesses entweder EPS (expandiertes Polystyrol, Styropor) oder XPS (extrudiertes Polystyrol, Styrodur) heraus.
Die Herstellung von EPS (expandiertes Polystyrol, Styropor)
- Bei der Herstellung von EPS wird der Grundstoff Polystyrol in einem ersten Schritt polymerisiert, um Polystyrolgranulat zu erhalten.
- Dieses Granulat wird dann mit einem Treibmittel, meist Pentan, versetzt und erhitzt, wodurch sich die Masse auf ein vielfaches Volumen aufbläht. In diesem Zustand besteht EPS zu 98% aus Luft.
- Nach dem Abkühlen wird das expandierte Granulat in die gewünschten Blöcke oder Formteile gepresst.
Die Herstellung von XPS (extrudiertes Polystyrol, Styrodur)
- Um XPS herzustellen, wird das Polystyrolgranulat in einen sogenannten Extruder, eine Art Schneckenpresse, gegeben. Innerhalb dieses Extruders wird das Granulat dann erhitzt und geschmolzen.
- Während des Schmelzprozesses können eventuell Farbpigmente und Additive hinzugefügt werden, um gewünschte oder geforderte Eigenschaften des XPS zu erzielen.
- Die geschmolzene Masse wird am Ende des Extruders durch eine Öffnung in Form eines dünnen Spalts gedrückt, die die Masse in die gewünschte Form bringt.
- Während des Extrusionsvorgangs wird CO2 als Treibmittel zugesetzt, das zu einem Aufschäumen des Materials führt.
- Die geformte XPS-Masse wird durch Kühlvorrichtungen geleitet, um das Material abzukühlen und aushärten zu lassen. Während des Abkühlens verfestigt sich das aufgeschäumte Polystyrol, und die entstandenen Gasblasen werden in der Struktur des Materials eingeschlossen.
Die Rohdichte beträgt je nach Druckfestigkeit des Styrodurs lediglich 25-50 kg/m3. Aus dem hohen Luftanteil resultiert wie beim EPS das ausgesprochen hohe Dämmvermögen der XPS-Platten.

Die Eigenschaften von Styrodur
Styrodur bietet eine durchgängige und geschlossenzellige Schaumstruktur, was es etwas dichter macht als das EPS. Die höhere Rohdichte führt gegenüber EPS zu etwas geringeren Dämmwerten (XPS etwa 0.038 W/m²·K; EPS etwa 0.032 W/m²·K), allerdings ist dieser Dämmwert von der Stärke der Platten abhängig. Je größer die Plattenstärke, desto höher die Dämmwirkung. Andererseits bietet Styrodur höhere Druckfestigkeiten, eine höhere Feuchtebeständigkeit und größere Dimensionsstabilität als Styropor.

Und genau das sind die entscheidenden Vorteile der Styrodurplatten, die gleich auch zu den bevorzugten Anwendungsbereichen führen. XPS-Platten finden ihre Aufgaben hauptsächlich in belasteten Bereichen wie etwa als druckfeste Dämmschicht unter Nassestrichen und unter ganzen Bodenplatten oder als wasserfeste Perimeterdämmung, also in Bereichen mit Erdberührung.
Die Platten können – gerade unter Bodenplatten und Fundamenten – sogar mehrlagig eingebaut werden, wobei eine Gesamtdicke von 30 cm als zulässige Grenze dafür gilt. Aber auch in weniger belasteten Bauteilen finden Styrodurplatten ihren Platz, etwa als Aufsparren-, Kern- und Trittschalldämmung.
Obacht ist hingegen geboten im frei bewitterten Außenbereich, denn unbehandelte Styrodurplatten sind UV-empfindlich und verspröden im Sonnenlicht. Spezielle Zuschlagstoffe verbessern die Beständigkeit von Styrodurplatten gegenüber UV-Licht allerdings maßgeblich.
Dank des Zusatzes von brandhemmenden Stoffen sind Styrodurplatten in der Brandschutzklasse B1 (schwer entflammbar) erhältlich, ohne den Zusatz solcher Stoffe werden Styrodurplatten zur Brandschutzklasse B2 (normal entzündlich) gerechnet.
Bleibt die Frage, wie kann der Verarbeiter Styrodur und Styropor unterscheiden?
Profis erkennen Styrodur in erster Linie an der geschlossenzelligen Oberflächenstruktur. Für die Unerfahreneren kennzeichnen die Hersteller die Styrodurplatten in der Regel farbig. Häufig sind die Platten grün, andere Hersteller färben die XPS-Platten beispielsweise in rosa ein.
Wie wird Styrodur entsorgt?

Anlaufstellen sind hier die kommunalen Annahmestellen für Sondermüll oder Entsorgungsdienste. In jedem Fall müssen die XPS-Platten getrennt und ohne Anhaftungen anderer Fremdstoffe gesammelt und entsorgt werden.
br>Styrodur enthält außerdem häufig das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) und muss auch in diesem Fall aufwändig als Sondermüll entsorgt werden. Styrodur mit HBCD gilt zwar als ungefährlicher Abfall, unterliegt aber einem Vermischungsverbot sowie besteht eine lückenlose Dokumentationspflicht. Aufgrund des hohen Aufwands und der stark gestiegenen Kosten, die mit der Entsorgung von Styrodur verbunden sind, lehnen viele Entsorger die Annahme von Styrodur ab.
Es ist also unbedingt erforderlich, vor dem Abtransport bei der entsprechenden Deponie anzufragen, ob eine Abgabe von Styrodur möglich ist. Am einfachsten ist die Beauftragung eines spezialisierten Entsorgungsbetriebs, der auch für die notwendigen Zertifikate sorgt. Wenn feststeht, dass das zur Entsorgung anfallende Styrodur nicht mit HBCD verunreinigt ist, kann es in kleinen Mengen auch über die hauseigene Restmülltonne entsorgt werden.